Geschichte und Kultur

Kulturelle und religiöse Bedeutungen

Der Gegensatz von rechts und links ist nicht nur in unserem Kulturkreis, sondern überall auf der Welt gegenwärtig.

Stets entspricht „rechts“ der Gerechtigkeit, Wahrheit, Tapferkeit, dem Himmel, der Sonne und dem Glück. „Links“ bedeutet genau das Gegenteil. So verbinden die neuseeländischen Ureinwohner, die Maoris, mit der rechten Seite das Leben und die Kraft, die linke Seite mit Tod und Schwäche.

Ebenso symbolisiert bei den nordamerikanischen Indianern die rechte Hand Macht und Tapferkeit, für die linke Hand verbleiben Ohnmacht und Feigheit. Bestimmte Afrikaner glauben, dass man, wenn man auf dem Wege zum Besuch eines kranken Freundes einen Mungo (eine Art Schleichkatzen) auf der linken Seite des Weges sieht, dieser sterben wird. Ist er auf der rechten Seite, so garantiert er die Genesung des Freundes.

In der Religion wird von vielen Völkern die linke Seite und besonders die linke Hand als minderwertig, ja sogar als verdächtig und unehrenhaft angesehen, während die rechte als die stärkere und reinere bevorzugt wird. Im Christentum werden rituelle Handlungen, wie beispielsweise das Erteilen des Segens, ausschließlich mit der rechten Hand vorgenommen.

In der Bibel gibt es weitere Belege für die unterschiedlichen Wertauffassungen, die den beiden konträren Richtungen beigemessen werden, beispielsweise in der Darstellung des Jüngsten Gerichtes bei Matthäus (25, 31-34 und 41):

„Aber wenn des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleichwie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!“

In seiner Bergpredigt sagt Christus (Matthäus 6, 3):
„Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf daß dein Almosen verborgen sei.“

Im arabischen Raum gilt die linke Hand als unrein, da man sie für die Toilettenhygiene gebraucht. Es wird daher immer mit der rechten Hand gegessen. Mit der linken Hand dürfen dagegen niemals gegrüßt, etwas überreicht oder Geschenke angenommen werden.