Wissenschaftliche Erkenntnisse

Gehirnaktivitäten bei Rechts- und Linkshändern

Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Hälften: der rechten und der linken Hemisphäre. Wie bei allen Säugetieren ist auch beim Menschen eine Arbeitsteilung zwischen diesen beiden Seiten gegeben. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge beinhalten beide Hemisphären, die sowohl in ihrer Organisation als auch in ihrer Funktion differieren, grundlegend verschiedene „Denkweisen“.

Während das linke Gehirn in Worten „denkt“, „denkt“ das rechte unmittelbar in sensorischen Bildern. Die linke Hälfte beinhaltet in der Regel die Zentren für das Lesen, das Schreiben, die Sprache und die Ausübung erlernter Aufgaben, die rechte Hemisphäre dagegen ist für die Wahrnehmung und die Aufmerksamkeit (zum Beispiel das Erkennen von Gesichtern und das Verstehen des Sinnes von Wörtern), für die räumliche Orientierung, die Steuerung vieler komplizierter Handlungen (beispielsweise das Ankleiden), musikalische Fähigkeiten und eventuell auch für emotionale Vorgänge zuständig.

Bei jedem Denk-, Handlungs- und Wahrnehmungsvorgang sind beide Hemisphären tätig, denn jede Handlung beinhaltet sowohl sprachliche, als auch nichtsprachliche Komponenten. Daher ist ein Austausch von Informationen über Nervenverbindungen, dem Corpus callosum, der sich zwischen beiden Gehirnhälften befindet, unumgänglich.

Das Gehirn des Menschen (Blick von oben).
Quelle: Blakeslee 1988, S.13

Jede zerebrale Hemisphäre ist mit einer bestimmten Körperseite verbunden und zwar über Kreuz mit der ihr gegenüberliegenden. Das bedeutet, dass die linke Gehirnhälfte die Bewegungen und Sinne der rechten Körperseite beeinflusst und die rechte Gehirnhälfte entsprechend die linke Seite kontrolliert. Bei einem Rechtshänder besteht eine Dominanz der linken Hemisphäre, während bei einem Linkshänder die rechte Seite des Gehirns dominiert. Während der Linkshänder eher synthetisch und beziehungsreich denkt, bestimmt den Rechtshänder eher das analytische, zeitlich aufeinanderfolgende Denken.

Generell werden beim Rechtshänder beim Schreiben und anderen Handlungen mit der rechten Hand Areale der linken Hirnhemisphäre aktiviert, während es sich beim Linkshänder umgekehrt verhält.

Die sensorischen und motorischen Nervenbahnen verlaufen zwischen dem Gehirn und den übrigen Körperteilen über Kreuz. Quelle: Springer, Deutsch 1987, S.2

Untersuchungen zeigen, dass sich die Gehirne von Links- und Rechtshändern in ihrer Organisation unterscheiden. Bei etwa 5% der Rechts- und 30% der Linkshänder liegt das Sprachzentrum nicht wie üblich in der linken, sondern in der rechten Gehirnhälfte bzw. ist auf beide Hemisphären verteilt. Das bedeutet, dass die Linkshändigkeit in Bezug auf die Gehirnorganisation nicht einfach eine Umkehrung der Rechtshändigkeit darstellt. Bei einigen Linkshändern sind Asymmetrien vorhanden, welche die Beobachtungen belegen würden, dass bei Linkshändern eher eine Bilateralität zum Vorschein kommt. Da die Händigkeitsentwicklung mit der Sprachentwicklung einhergeht, kann es bei Umschulungsversuchen daher zu Störungen im Sprachbereich kommen.